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Versandhandel

Rechtsprechung

Als "Versandhandel" gilt der Handel mit Waren, die in Katalogen, Prospekten oder Anzeigen angeboten und an die Kundschaft versendet werden. Die bestellte Ware wird der Käuferin oder dem Käufer auf dem Versandweg (meist Postversand) zugestellt. Zum Versandhandel gehören die Aufnahme von Bestellungen beim Kunden oder der Kundin, die Vermittlung von Bestellungen und der Versand von Bestellformularen.
 

Spezielle Form der Medikamentenabgabe

Der Versandhandel als spezielle Form der Medikamentenabgabe an das Publikum ist grundsätzlich verboten. Arzneimittel sind keine gewöhnlichen Konsumartikel. Das heutige Abgabesystem von Arzneimitteln basiert im Interesse der Arzneimittelsicherheit und des Patientenschutzes auf der persönlichen, sachgerechten Fachberatung (durch eine Apothekerin oder einen Apotheker) und der ärztlichen Überwachung. Versandhandel bringt zusätzliche Risiken mit sich: Ohne qualifizierte Abgabe und Kontrolle gerät bei Medikamenten der unabdingbar notwendige Konsumentenschutz in Gefahr. Die Anwendung pharmazeutischer Produkte bedarf in aller Regel notwendiger Hinweise im Rahmen der Verschreibung und Abgabe. Zudem tritt beim Versandhandel das Transportrisiko hinzu. Auch besteht die Gefahr, dass bei einem Postversand die Arzneimittel in falsche Hände (beispielsweise von Kindern) kommen könnten. Bei allfälligen gesundheitlichen Schädigungen müssen die Versandhändler haftbar gemacht werden können.
 

Risikoreich und problematisch bezüglich Haftung

Ein grosses Risiko für die Arzneimittelsicherheit stellen insbesondere auch Firmen dar, die ihre Dienstleistungen international und in der Regel per Internet anbieten. Solche Versandhändler beliefern oft auch ihnen unbekannte Personen mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln ohne die nötigen Rezepte und somit ohne ärztliche Kontrolle. Da zudem die Konsumentin oder der Konsument selbst die Qualität des Arzneimittels und die allenfalls fremdsprachige – wenn überhaupt vorhandene – Arzneimittelinformation nicht beurteilen kann, ist ein solcher Arzneimitteleinsatz sehr problematisch. Manchmal sind solche Medikamente auch gefälscht. Es wird schwierig sein, eventuelle Haftbarkeitsansprüche geltend zu machen, weil der Versandhändler oft unbekannt und zudem praktisch immer im Ausland angesiedelt ist.
 

Versandhandel und Nachversand

Begrifflich muss vom Versandhandel der Nachversand unterschieden werden. Nachversand ist kein Versandhandel und nach einem persönlichen Erstkontakt im Einzelfall zulässig; er zählt zu den üblichen, sinnvollen und notwendigen Dienstleistungen einer Apotheke. Zum Versandhandel liegen folgende Unterschiede vor:
  • Die Fachberatung (durch eine Apothekerin oder einen Apotheker) hat bereits vorgängig stattgefunden;
  • Nachversand betrifft konkrete Einzelfälle wie z. B. vorübergehende Ortsabwesenheit und
  • Nichterhältlichkeit ab Lager;
    aufgrund seines Ausnahmecharakters wird der Nachversand in der Regel nicht beworben, bzw. nicht aufgrund von Werbung in Anspruch genommen;
  • eine Apotheke "betreibt" Nachversand nicht hauptgeschäftlich. Nachversand entspricht einer zusätzlichen Dienstleistung der Apotheke für die Patientin oder den Patienten.