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Rahmenbedingungen

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LOA (Leistungsorientierte Abgeltung, Apothekentarif)

Der Tarifvertrag «Leistungsorientierte Abgeltung (LOA)» regelt die Abgeltung der Apotheker-Leistungen im Zusammenhang mit der Abgabe von Medikamenten, die von der Grundversicherung bezahlt werden.

 

Das geschieht weitgehend unabhängig von Preis und Menge eines Medikaments anhand von Taxpunkten, wie man sie auch bei den Arztleistungen kennt. Dieses bewährte und vom Bundesrat genehmigte System fördert die Beratungsqualität und dient der Sicherheit des Patienten. Zudem werden dadurch finanzielle Fehlanreize zur Abgabe von teuren Medikamenten minimiert. Die Schweiz verfügt im Vergleich zu gewissen EU-Ländern über ein vorbildliches Tarifsystem für Apotheken.

 

Bern, 26.06.2019

Der Bundesrat genehmigt zwei Tarifverträge über die Apothekerleistungen

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 26. Juni 2019 die Verlängerung zweier Tarifverträge genehmigt, welche die Abgeltung der Apothekerinnen und Apotheker im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) regeln. Die Verträge beinhalten namentlich die Vergütung der Rezeptüberprüfung bei der Medikamentenabgabe und die Führung eines Patientendossiers durch die Apothekerin oder den Apotheker.


Der Bundesrat hat die Verlängerung der beiden Verträge bis zum 31. Dezember 2021 genehmigt. Die Tarifpartner hatten sie in unveränderter Form zur Verlängerung vorgelegt. Der Bundesrat hat indes die Tarifposition «Polymedikations-Check» (PMC) aus dem Vertrag zur Tarifstruktur ausgeschlossen. Bei dieser Leistung, die 2010 eingeführt wurde, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, dass sie den Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit entspricht, die für eine Vergütung im Rahmen des KVG erfüllt sein müssen.

Medienmitteilung admin.ch LOA
 

Kurzbeschrieb LOA IV/1

 

Die LOA IV/1 ist die aktuell gültige Version, die seit dem 1. Januar 2016 vom Bundesrat in Kraft gesetzt wurde. Sie besteht aus einem Tarifvertrag sowie einem Tarifstruktur-Vertrag.
Im Tarifvertrag sind insbesondere der (räumliche, persönliche und sachliche) Geltungsbereich sowie allgemeine Bestimmungen wie z.B. die Rechte und Pflichten, das Beitritts- und Rücktrittsverfahren und die Kündigungsmodalitäten der Tarifpartner festgehalten. Im Weiteren sind im Tarifvertrag der Taxpunktwert und Effizienzbeitrag (Anhang 2), die Abrechnungsmodalitäten (Anhang 3), das Monitoring (Anhang 4), die Beitrittsgebühren (Anhang 5) und die Vereinbarung über die Paritätische Vertrauenskommission (Anhang 6) geregelt.

Im Tarifstruktur-Vertrag ist die nationale Struktur des LOA-Tarifs festgelegt (Anhang A), die die Leistungen definiert, die im Rahmen der LOA als OKP-Pflichtleistung abgerechnet werden dürfen. Im Weiteren sind im Tarifstruktur-Vertrag die Vereinbarung über die Qualitätssicherung (Anhang B), sowie das Reglement des Qualitäts- und Forschungsfonds (Anhang C) festgehalten.
Sowohl die Tarifstruktur, wie auch der Tarifvertrag der LOA IV/1 wurde von den Tarifpartnern für eine unbefristete Dauer festgelegt. Der Bundesrat, der die Tarifstruktur und den Tarifvertrag bewilligen muss, hat die beiden Verträge jedoch befristet bis zum 30.6.2019 bewilligt.

 

Geschichte der LOA

 

Vor der Einführung der LOA galt im Arzneimittelmarkt der Schweiz eine privatrechtliche Margenordnung, an die sich alle Apotheken halten mussten. Die Apotheken erhielten dabei eine fixe Marge in Form eines Prozentsatzes vom Verkaufspreis. Mit dieser Marge waren sämtliche Dienstleistungen abgegolten. Diese privatrechtlich festgelegte Margenordnung kam in den 90er-Jahren immer mehr unter Druck. Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politik drängten auf eine Eindämmung des Kostenwachstums und forderten einen Systemwechsel. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Generalversammlung von pharmaSuisse im Jahr 1992 beschloss, eine preis- und mengenunabhängige Vergütung von Apothekerdienstleistungen anzustreben. Dieser Entscheid war der Startschuss für die Entwicklung eines neuen Abgeltungssystems.


In der privatrechtlichen Margenordnung deckte der in der Spezialitätenliste (SL) festgelegte Publikumshöchstpreis alle Kosten und Leistungen ab, die im Zusammenhang mit der Abgabe eines Medikaments erfolgten. Die Einführung der LOA führte zu einer Trennung zwischen Herstellung und Vertrieb einerseits und der pharmazeutischen Fachleistung anderseits. Mit dem Medikamentenpreis (Publikumspreis) sollten neu nur noch die Herstellung und die unmittelbar mit dem Vertrieb verbundenen Leistungen (Logistikleistungen) abgegolten werden. Das Abgeltungsmodell LOA sah neu eine Vergütung der pharmazeutischen Grundleistungen unabhängig vom Medikamentenpreis vor und unterstützte die Minimierung jener unerwünschten Anreize, die mit der privatrechtlichen Margenordnung verbunden waren. Daneben konnten weitere Einzelleistungen neu den Krankenversicherern in Rechnung gestellt werden, wenn diese Leistungen in ergänzenden Tarifverträgen zwischen Krankenversicherern und Apotheken geregelt wurden.


Mit der Einführung der LOA I am 1.7.2001 wurde nicht nur ein neues Abgeltungssystem für die pharmazeutischen Leistungen der Apotheker eingeführt, sondern auch eine neue Regelung für die Abgeltung der Logistikleistungen. Der nach der Einführung der LOA I vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) verfügte Publikumspreis setzt sich seither aus dem Fabrikabgabepreis (FAP), einem Preisbezogenen Zuschlag in % und einem fixen packungsbezogenen Zuschlag zusammen, die die Logistikleistungen der Apotheke und des Grossisten abdeckt.

 

LOA V

 

Seit Einführung der LOA wurden stetig kleine Systemverbesserungen vorgenommen. Die Tarifpartner Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse und der Verband der innovativen Krankenversicherer Curafutura haben sich im Sommer 2016 aufgrund gemeinsamer Prämissen dazu entschlossen, die LOA einer grundlegenden Revision zu unterziehen und die bisherige LOA-Tarifstruktur durch ein weiterentwickeltes Modell zu ersetzen.

 
Gegenüberstellung LOA IV/1 zu LOA V
 

Neben der Revision der LOA wollen die Tarifpartner auch eine Umstrukturierung des Vertriebsanteils vornehmen, um die Abhängigkeit von Preisen und Mengen weiter reduzieren zu können. Diese Abhängigkeit kann nur verringert werden, wenn die Personalkosten, die bei der Erbringung der pharmazeutischen Leistungen anfallen, aus dem Vertriebsanteil in die LOA verschoben werden. Dies hat zur Folge, dass die Höhe des Vertriebsanteils und somit auch der Publikumspreise sinken würden, der Anteil an LOA-Leistungen würde aber im selben Masse (kostenneutral) ansteigen.

Verursacherprinzip angestrebt

Das neue Tarifmodell «LOA V» (Arbeitstitel) hat zum Ziel, den Tarif auf die individuellen Betreuungs- und Beratungsbedürfnisse der Kunden abzustimmen. Aktuell werden die Leistungen mit fixen Pauschalen solidarisch für alle Kunden gleich verrechnet, unabhängig davon, wie intensiv die Beratung und Betreuung eines Kunden ist. Mit dem neuen Modell werden die erbrachten Leistungen gemäss dem abschätzbaren Betreuungsaufwand spezifischer verrechnet, was sach- und leistungsgerechter ist.

Der Patient soll personalisierter unterstützt werden, sei es im Rahmen einer ärztlichen Neuverordnung eines neuen Medikaments oder im Rahmen einer chronischen Erkrankung durch spezifische Care-Programme, die die Sekundärprävention unterstützen und die Chancen auf einen Behandlungserfolg erhöhen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kosten nachvollziehbarer und aufwandgerechter (Verursacherprinzip) gestaltet sind sowie weniger Quersubventionen unter den Kunden stattfinden.

Projektstand

Curafutura und pharmaSuisse haben sich im Herbst 2017 dazu entschieden, die Tarifmodellentwicklung zusammen mit der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) durchzuführen. Die ökonomische Grundlagenstudie «Eine Kundenfokussierte Tarifstruktur in der Offizinapotheke» hat zum Ziel, ein Tarifmodell zu entwickeln, das klar zwischen den Elementen der Vertriebslogistik und den kundenorientierten Leistungen trennt. Die Grundlagenstudie besteht aus den folgenden Phasen:

  • Phase 1: Entwicklung eines Prototyps

  • Phase 2: Prozessvalidierung und Quantifizierung der Prozesse anhand einer Zeit- und Leistungserfassung (Minutage)

  • Phase 3: Validierung und Finalisierung des Tarifmodells

Die Prototypentwicklung in der Phase 1 wurde im April 2018 abgeschlossen und das Projektteam ist aktuell daran, die Zeit- und Leistungserfassung, den Hauptbestandteil der Phase 2, umzusetzen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Tarifstruktur den Aufwand und damit die Kosten korrekt abbildet und der Tarifvertrag den gesetzlichen Anforderungen genügt. Die Phase 2 wird im Juni 2019 abgeschlossen sein, damit die Finalisierung des Tarifmodells in der 3 Phase bis Ende August 2019 umgesetzt werden kann.
Die «ökonomische Grundlagenstudie LOA» wird durch Gelder aus dem Qualitäts- und Forschungsfonds LOA unterstützt. Der Fonds wird durch die Tarifpartner pharmaSuisse, Curafutura und Santésuisse betreut, die über die Verwendung der Gelder beschliessen.

Parallel zur Studie wird ab dem 2. Quartal 2019 die neue Tarifstruktur erarbeitet und mit den Tarifpartnern verhandelt. Durch die gestiegenen Anforderungen seitens der Bewilligungsbehörden, der aufwendigen Tarifmodellentwicklung und der zeitintensiven Prüfung der Tarifstruktur durch den Bundesrat ist damit zu rechnen, dass das neue Tarifmodell frühestens am 1.1.2021 in Kraft treten wird.

Damit eine Einführung der LOA V per 1.1.2021 möglich ist, muss der neue Tarifstruktur- und der Tarifvertrag Ende 2019 dem Bundesrat vorgelegt werden.

Nach der Einreichung des Tarifstruktur- und Tarifvertrags Ende 2019 wird der Fokus im Lauf des Jahrs 2020 insbesondere auf der Befähigung der Apothekenteams und der Implementierung in die Primärsoftware liegen. Die richtige Kommunikation der neuen Tarife und die Sicherstellung der «spür- und erlebbaren» Dienstleistung wird entscheidend sein für den Erfolg der «LOA V». Bei einem abgestuften Tarif wird es besonders wichtig sein, dass insbesondere die Kunden, die in eine höhere Pauschale eingestuft werden, nachvollziehen können, warum die Kosten für Leistungen bei ihnen höher ausfallen als bei anderen Kunden.

pharmaSuisse wird im Jahr 2019 die Planung der Schulung vornehmen und im Jahr 2020 alle Apothekenteams auf diese Veränderungen vorbereiten. Alle Apotheken werden frühzeitig über die geplanten Aktivitäten und die Schulungen informiert.

Zeitplan (nur für Mitglieder)