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Totalrevision berufliche Grundbildung

 
 

Seit 2007 ist die aktuelle Bildungsverordnung und somit die Ausbildung in der heutigen Form in Kraft. In dieser Zeit ist viel passiert in unserer Branche. Um auf diese Veränderungen zu reagieren und die zukünftigen Fachfrauen und Fachmänner Apotheke EFZ für die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, hat sich der Vorstand von pharmaSuisse zusammen mit der zuständigen Schweizerischen Kommission für Berufsentwicklung und Qualität (SKBQ) dazu entschieden, eine Totalrevision der beruflichen Grundbildung in Angriff zu nehmen.
Das Inkrafttreten der neuen Bildungserlasse ist für den 01.01.2022 geplant.

 
 
 
 

Webinare

Die Webinare sind vorbei und wir bedanken uns herzlich für die zahlreiche Teilnahme.

Die grössten Änderungen ab Lehrgang 2022

Berufsbezeichnung: Fachfrau/Fachmann Apotheke EFZ

Mit den neuen Aufgaben und Kompetenzen für das Apothekenteam hat man sich für eine zeitgemässe Berufsbezeichnung entschieden – in Anlehnung an Berufe wie Fachfrau Gesundheit EFZ oder Fachmann Betreuung EFZ: In der Deutschschweiz heisst der Beruf in Zukunft Fachfrau Apotheke EFZ beziehungsweise Fachmann Apotheke EFZ. Die Berufsbezeichnung mit dem Wortteil «Assistent» deutet vor allem in der Deutschschweizer Bildungslandschaft auf ein eidgenössisches Berufsattest (EBA) und somit eine zweijährige Ausbildung hin. Die französische und italienische Berufsbezeichnung bleibt unverändert Assistant/-e en pharmacie CFC beziehungsweise Assistente di farmacia AFC, denn die Akzeptanz dafür ist in der lateinischen Schweiz gross.

Handlungskompetenzorientierung

Die Ausbildung an allen drei Lernorten (Betrieb, überbetriebliche Kurse, Berufsschule) fördert in den drei Lehrjahren den Aufbau der Handlungskompetenzen. Diese stellen die aktuell und zukünftig relevanten Arbeitssituationen dar, die ausgebildete Fachfrauen/Fachmänner Apotheke EFZ beherrschen.

Totalrevision_HKB_de

Der Beruf umfasst 5 gemeinsame Handlungskompetenzbereiche mit 19 Handlungskompetenzen.

Neue und bisherige Kompetenzen

Als neuer Handlungskompetenzbereich c wurde das Ausführen medizinischer Abklärungen und Handlungen aufgenommen. Zum Beispiel das Erfassen von Gesundheitszustand, klinischen Alarmzeichen und diagnostischen Parametern sowie das Organisieren und Ausführen von medizinischer Versorgung und Therapien gemäss Auftrag der Apothekerin.

Die Laborarbeiten wurden auf ein Minimum reduziert, weil viele Apotheken pharmazeutisch-technische Herstellungen weitgehend extern durchführen lassen. Einfache Herstellungen wie Mischungen oder Verdünnungen sind jedoch weiterhin Teil des Apothekenalltags. Die bisherigen Kernkompetenzen Beratung und Verkauf, Abgabe von Medikamenten und anderen Produkten, Warenbewirtschaftung und Administration, Teamarbeit und Kommunikation und Arbeit mit digitalen Hilfsmitteln sind aktualisiert.

Im neuen Berufsbild sind auch Injektionen in Delegation der Apothekerin oder des Apothekers vorgesehen. Bei diesem Leistungsziel ist noch nicht abschliessend geklärt, ob es beibehalten werden kann. Dies wird sich im Frühling 2021 nach der offiziellen Anhörung durch die Kantone an der Bereinigungssitzung der Schweizerischen Kommission für Berufsentwicklung und Qualität (SKBQ) entschieden. pharmaSuisse unterstützt diese Kompetenzerweiterung auf das Apothekenteam und setzt sich dafür ein.

Lernort Betrieb

Leiter Arbeitsgruppe: Thomas Wyss

Die Arbeiten für die Umsetzung im Betrieb laufen auf Hochtouren und werden voraussichtlich im 1. Quartal 2021 abgeschlossen. Zum Ausbildungsstart August 2022 liegen eine digitale Lernumgebung (Konvink) für alle drei Lehrjahre und sämtliche Instrumente inkl. Praxisaufträgen für die betriebliche Ausbildung in den drei Landessprachen vor.

Den Lernenden steht der sogenannte Kompetenzkompass auf Konvink zur Verfügung, der sie durch die gesamte betriebliche Ausbildung begleitet. Darin finden sie die betrieblichen Praxisaufträge, die sich an den Handlungskompetenzen orientieren und das betriebliche Ausbildungsprogramm abbilden. Die Ergebnisse und Reflexionen zu jedem Praxisauftrag werden in der Online-Lerndokumentation (sogenannte Werkschau) reflektiert. Als weiteres Instrument steht ein Kompetenzraster zu Verfügung, mit dem die Lernenden jedes Jahr eine Selbsteinschätzung ihrer Kompetenzen vornehmen können. Diese Selbsteinschätzung fliesst in den Bildungsbericht ein. Den Berufsbildnerinnen ihrerseits steht auf Konvink der Kompetenzkompass für die Planung und das Controlling des betrieblichen Ausbildungsprogramms zur Verfügung. Ausserdem können die Berufsbildner halbjährlich anhand des Kompetenzrasters eine Fremdeinschätzung der Kompetenzen jedes Lernenden vornehmen. Die Selbst- und Fremdeinschätzung sind Teil des Bildungsberichts, der auf Konvink automatisch generiert wird und mit den entsprechenden Entwicklungsmassnahmen ergänzt werden kann. Es ist deshalb erwünscht, dass die Lernenden über ein eigenes Laptop/Notebook verfügen.

Lernort überbetriebliche Kurse

Leiterin Arbeitsgruppe: Jsabelle Hirschi

Die Arbeitsgruppe für die überbetrieblichen Kurse (üK) nimmt die Arbeit im 2021 auf. Die Leistungsziele für die üK werden in vereinheitlichten Ausbildungsunterlagen konkretisiert und auf die Ausbildung an den anderen Lernorten abgestimmt.
Der Unterricht erfolgt ebenfalls handlungskompetenzorientiert. Benotet werden alle üK mit einem einheitlichen Beurteilungsraster. Die Noten fliessen mit einer Gewichtung von 30% in die Erfahrungsnote ein. Die Erfahrungsnote wiederum fliesst mit einer Gewichtung von 20% in die Gesamtnote ein. Der Nothelferkurs ist in den üK integriert.

Lernort Berufsfachschule

Leiterin Arbeitsgruppe: Prisca Keusch

Die Erarbeitung des national gültigen Schullehrplans wird voraussichtlich im Januar 2021 beendet sein und die Grundlage für das Lehrmittel bilden. Der integrierte allgemeinbildenden Unterricht (ABU) wird aufgelöst, weil der Bildungsplan neu im Modell der Handlungskompetenz-Orientierung dargestellt wird.
Berufskunde und Allgemeinbildung werden zukünftig getrennt unterrichtet. Der Wechsel führt dazu, dass die Allgemeinbildung zukünftig nicht mehr in die Fächer «lokale Landessprache», «Fremdsprache» und «Wirtschaft, Recht, Gesellschaft» unterteilt wird. Die Allgemeinbildung richtet sich nach der Verordnung des SBFI vom 27. April 2006 über die Mindestvorschriften für die Allgemeinbildung. Die Schulleitungen wurden im November 2020 über die wichtigsten Änderungen informiert.

Fremdsprache

Im Sinn der Handlungskompetenzorientierung wird die Fremdsprache neu im Rahmen des Handlungskompetenzbereiches a «Beraten und Bedienen der Kundinnen und Kunden», das heisst in den Berufskenntnissen erworben. Ein Curriculum bzw. handlungskompetenzorientiertes Lehrmittel wird gemeinsam mit Fachpersonen aus den Apotheken und Fremdsprachenlehrpersonen erarbeitet. Die Fremdsprachen werden im Rahmen des Unterrichts geprüft und fliessen in die Erfahrungsnote für den Unterricht in den Berufskenntnissen ein.

Qualifikationsverfahren ab 2025

Der praktische Teil des Qualifikationsverfahrens (QV) findet wie bis anhin als «vorgegebene praktische Arbeit» (VPA) in den jeweiligen Lehrbetrieben statt und dauert 2,5 Stunden. Es umfasst die Überprüfung der Handlungskompetenzbereiche a, b, c sowie der Handlungskompetenzen e1 und e2 in Form von simulierten Kundengesprächen bzw. Beratungen und wird mit einem Fachgespräch abgeschlossen.
Das Fachgespräch dient dazu, Handlungen zu begründen und alternatives Vorgehen zu skizzieren. Es dient nicht zur Überprüfung von isolierten Fachkenntnissen. Der betriebliche Kompetenznachweis wurde gestrichen. Neu werden die Berufskenntnisse lediglich schriftlich überprüft. Dabei werden die Handlungskompetenzbereiche a, b und c sowohl mittels Closed-Book-Prüfung als auch Open-Book-Prüfung geprüft. Die Handlungskompetenzbereiche d und e werden nur mittels Open-Book-Prüfung geprüft. Für einen ideale Lernortkooperation empfiehlt pharmaSuisse «Bring Your Own Device» (BYOD) auch an der Berufsfachschule. Die Abschlussprüfung zum allgemeinbildenden Unterricht (ABU) ist gemäss entsprechender Verordnung organisiert. Die Details werden in den Ausführungsbestimmungen (ehemals Wegleitung) festgehalten.

Vernehmlassung vom 4. Mai bis 15. Juni 2020

Vielen Dank für die Teilnahme!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Personen und Teams, welche aktiv an der internen Vernehmlassung teilgenommen und sich auf diesem Weg zu den vorgelegten Bildungserlassen geäussert haben. Jede Rückmeldung und alle Antworten wurden ausgewertet. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für die anschliessend vorgenommenen Anpassungen an den Dokumenten Bildungsplan und Bildungsverordnung. Gewisse Punkte bedürfen einer weiteren Analyse und Prüfung.

 

Prozess der Berufsentwicklung

Gemäss dem Handbuch «Prozess der Berufsentwicklung in der beruflichen Grundbildung» vom 28. März 2017 des Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI ist der Prozess der Berufsentwicklung in die folgenden Schritte gegliedert:

prozessschritte_Berufsentwicklung_de

Quelle: Handbuch Prozess der Berufsentwicklung in der beruflichen Grundbildung Stand: 30.03.2017 Seite 13

 

Änderungen in Abklärung

Klassifizierung ISCED

Eine Umteilung des Ausbildungsfelds im «International Standard Classification of Education» ISCED der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) vom aktuellen «Einzel- und Grosshandel» ins Feld «Pharmazie» wurde mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) bereits diskutiert und wurde als durchaus möglich beurteilt.

 

Zeitplan

2016/20175 Jahresüberprüfung und Erhebung durch das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB)
Frühling/Sommer 2018Auswertung und Synthese der Erhebungen und Berichte der 5-Jahresüberprüfung
August – September 2018Entwurf des Qualifikationsprofils
September 2018Erteilen Vor-Ticket durch das SBFI
Oktober 2018Verabschiedung des Qualifikationsprofil durch den Vorstand von pharmaSuisse
Februar 2019Validierung des Qualifikationsprofils durch das SBFI
Ende 2019Erarbeitung des Bildungsplans und der Bildungsverordnung in einer Arbeitsgruppe
Frühling 2020Schweizerische Kommission für Berufsentwicklung und Qualität Pharma-Assistent/in EFZ (SKBQ) bespricht und empfiehlt die Entwürfe der Bildungserlasse (Bildungsplan und Bildungsverordnung)
Frühling 2020Detailplanung Implementierung und Lehrmittelerstellung
Frühling 2020Anhörung relevante Akteure im Umfeld der Trägerschaft (interne Vernehmlassung)
Frühling 2020Start für die Erarbeitung der Umsetzungsdokumente für die drei Lernorte sowie das Qualifikationsverfahren (QV) und des Informations- und Ausbildungskonzept (IAK)
Herbst 2020Ticketantrag beim SBFI mit Bildungsplan, Bildungsverordnung und Informations- und Ausbildungskonzept (IAK)
Frühling 2021offizielle Anhörung bei den Kantonen und interessierten Kreisen
Sommer 2021Bereinigungssitzung SKBQ
Herbst 2021Verabschiedung der Bildungserlasse
01.01.2022Inkrafttreten der Bildungsverordnung und des Bildungsplans
Frühling 2022Information, Aus- und Nachbildung Berufsverantwortliche (Für Betriebe mit Ausbildungsstart 2022)
Sommer 2022Start des ersten Lehrganges nach neuen Bildungserlassen
Frühling 2023Information, Aus- und Nachbildung Berufsverantwortliche (Für Betriebe mit Ausbildungsstart 2023)
Sommer 2025Erstes Qualifikationsverfahren (QV) nach neuen Bildungserlassen
 
 
 

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