logo pharmaSuisse mit Schriftzug
 

Neuer Apothekentarif LOA V

Der Tarifvertrag «Leistungsorientierte Abgeltung (LOA)» regelt die Abgeltung der Apotheker-Leistungen im Zusammenhang mit der Abgabe von Medikamenten, die vom Arzt verschrieben und von der Grundversicherung bezahlt werden.

 

Seit Einführung der LOA wurden stetig kleine Systemverbesserungen vorgenommen. Die Tarifpartner Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse und der Verband der innovativen Krankenversicherer Curafutura haben sich im Sommer 2016 aufgrund gemeinsamer Prämissen dazu entschlossen, die LOA einer grundlegenden Revision zu unterziehen und die bisherige LOA-Tarifstruktur durch ein weiterentwickeltes Modell zu ersetzen. 

 

Neben der Revision der LOA wollen die Tarifpartner auch eine Umstrukturierung des Vertriebsanteils vornehmen, um die Abhängigkeit von Preisen und Mengen weiter reduzieren zu können. Diese Abhängigkeit kann nur verringert werden, wenn die Personalkosten, die bei der Erbringung der pharmazeutischen Leistungen anfallen, aus dem Vertriebsanteil in die LOA verschoben werden. Dies hat zur Folge, dass die Höhe des Vertriebsanteils und somit auch der Publikumspreise sinken würden, der Anteil an LOA-Leistungen würde aber im selben Masse (kostenneutral) ansteigen.

 
LOAV_de
 

Verursacherprinzip angestrebt

 

Das neue Tarifmodell «LOA V» hat zum Ziel, den Tarif auf die individuellen Betreuungs- und Beratungsbedürfnisse der Kunden abzustimmen. Aktuell werden die Leistungen mit fixen Pauschalen solidarisch für alle Kunden gleich verrechnet, unabhängig davon, wie intensiv die Beratung und Betreuung eines Kunden ist. Mit dem neuen Modell werden die erbrachten Leistungen gemäss dem abschätzbaren Betreuungsaufwand spezifischer verrechnet, was sach- und leistungsgerechter ist.

Der Patient soll personalisierter unterstützt werden, sei es im Rahmen einer ärztlichen Neuverordnung eines neuen Medikaments oder im Rahmen einer chronischen Erkrankung durch spezifische Care-Programme, die die Sekundärprävention unterstützen und die Chancen auf einen Behandlungserfolg erhöhen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kosten nachvollziehbarer und aufwandgerechter (Verursacherprinzip) gestaltet sind sowie weniger Quersubventionen unter den Kunden stattfinden.

Nach der Einreichung des Tarifstruktur- und Tarifvertrags liegt der Fokus im Lauf des Jahrs 2020 insbesondere auf der Befähigung der Apothekenteams und der Implementierung in den Primärsoftwaresystemen. Die richtige Kommunikation der neuen Tarife und die Sicherstellung der «spür- und erlebbaren» Dienstleistung wird entscheidend sein für den Erfolg der «LOA V». Bei einem abgestuften Tarif wird es besonders wichtig sein, dass insbesondere die Kunden, die in eine höhere Pauschale eingestuft werden, nachvollziehen können, warum die Kosten für Leistungen bei ihnen höher ausfallen als bei anderen Kunden.

pharmaSuisse plant zurzeit die Schulung und realisiert die Kommunikationsmassnahmen bis Herbst 2020 , um sämtliche Apothekenteams auf diese Veränderungen vorzubereiten. Alle Apotheken werden rechtzeitig über die geplanten Aktivitäten und die Schulungen informiert.

 

Der neue Apothekentarif – was ändert sich wirklich?

 

Der Apothekentarif LOA V ist erarbeitet und mit den Tarifpartnern verhandelt. Doch was ändert sich konkret mit dem neuen Tarifmodell? Kurz zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich zumindest in der Struktur des Tarifs nur wenig ändert.

Ausschlaggebend für die Tarifrevision waren die fehlende Kostenwahrheit zwischen dem Logistikaufwand (Vertriebsanteil) und dem pharmazeutischen Betreuungsaufwand und somit die Problematik der preisabhängigen Vergütung der pharmazeutischen Leistung mittels Apothekentarif LOA. Dieser nur ansatzweise betriebswirtschaftlich hergeleiteten Tarifstruktur fehlt der Bezug zum tatsächlichen Aufwand, der beim Apothekenteam anfällt. Die Integration von neuen Leistungen ist hingegen erst ein nachgelagertes Ziel.

 

Neu nach dem Verursacherprinzip

 

Die Leistungen der aktuellen Tarifstruktur sind weiterhin sinnvoll und sollen auch in Zukunft anwendbar sein. Die Berechnung dazu wurde aber basierend auf der Zeit- und Leistungserfassung und der betriebswirtschaftlichen Herleitung komplett neu vorgenommen. An den bestehenden Leistungen gibt es gewisse kleinere Anpassungen. Zudem gibt es auch vereinzelte neue Leistungen wie beispielsweise die Leistung «Anwendungserklärung», über die der Mehraufwand für Medikamente mit einer besonderen Instruktion (Demonstration und Illustration) gedeckt wird.

Die wichtigste Neuerung im Apothekentarif ist jedoch das Verursacherprinzip, das dem Tarifmodell zugrunde liegt. Es ist baukastenartig aufgebaut: Die LOA V besteht nicht mehr aus fixen Pauschalen, sondern die Leistung addiert sich aus den unterschiedlichen Anforderungen aufgrund Patiententyp, Art des Rezepts sowie Erklärungsbedarf des Medikaments. Anforderungen sind zum Beispiel «neuer Patient» oder «Neues oder bestehendes Medikament der Abgabekategorie A oder B der Spezialitätenliste». Diese individuelle Berechnung der LOA-Gebühr basiert auf dem tatsächlich erbrachten Betreuungsaufwand und führt zu einem gerechteren Tarif und somit auch zu einer besseren Akzeptanz bei den Patienten.