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«Wenns um die Gesundheit geht, ist die Apotheke die erste und beste Anlaufstelle.»

Fabian Vaucher,
Präsident Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse

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Bundesrat gefährdet die gut funktionierende Grundversorgung

Der Bundesrat hat in den vergangenen Jahren Millionen zulasten jener Akteure im Gesundheitswesen gespart, die Medikamente vertreiben. Am letzten Freitag, 14. September 2018, hat er die Vernehmlassung zu weiteren Sparmassnahmen eröffnet, unter anderem die Anpassung des Vertriebsanteils und die Einführung des Referenzpreissystems. Mit diesen Massnahmen gefährdet er die gut funktionierende Grundversorgung der Schweiz. Eine breite Allianz aus Schweizerischem Apothekerverband pharmaSuisse, APA, pharmalog.ch und Intergenerika sowie GSASA, VGUA, IFAK und der IG Schweizer Pharma KMU wehrt sich, dass auf Kosten der Versorgungs- und Patientensicherheit in der Grundversorgung gespart werden soll. Sie präsentiert Alternativvorschläge, mit denen sich Kosten im Umfang von realistischen 500 Millionen Franken einsparen lassen.

Bern, 19. September 2018: Mit den geplanten Massnahmen im Medikamentenbereich erhofft sich der Bundesrat weitere Einsparungen zur Dämpfung des Prämienwachstums im Gesundheitswesen. Zum wiederholten Male setzt er den Hebel bei der Versorgungssicherheit durch Apotheken, Spitalapotheken und Hausärzten an. Das ist umso unverständlicher, als gerade in diesem Bereich in den vergangenen Jahren zahlreiche Massnahmen umgesetzt und bereits mehrere hundert Millionen Franken eingespart wurden. Das konnte Gregor Pfister, Associate Director von IQVIA Schweiz, mit den Daten berechnen. IQVIA ist ein Unternehmen, das unter anderem für das Bundesamt für Gesundheit BAG Daten im Gesundheitswesen erfasst und auswertet. «Statt der vom BAG geschätzten 60 Millionen Franken schlug die letzte Preissenkungsrunde mit mehr als 190 Millionen Franken zu Buche», erläutert Pfister. In diesem Jahr bedeutet das für die Akteure in den Medikamentenkanälen Apotheke, Arzt und Spital Einsparungen von über 40 Millionen Franken, dreimal so viel wie geplant. Dennoch sieht der Bundesrat vor, mit den angedachten Massnahmen in den nun gestarteten Vernehmlassungen weitere 50 Millionen Franken einzufordern – eine willkürliche Grösse, der gemäss den Allianzpartnern jegliche betriebswirtschaftliche Herleitung fehlt.

Nichtsdestotrotz sollen einerseits mit einer Verordnungsanpassung Einsparungen im Vertrieb erzielt, andererseits mit einer Anpassung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung KVG ein Festbetragssystem für Generika eingeführt werden. Beide Vorlagen sind nicht ausgereift und setzen die Qualität und Sicherheit der aktuell guten Versorgung mit Medikamenten für die Bevölkerung unnötig aufs Spiel. Die breite Allianz kritisiert diese Revisionen daher scharf. Mit überholten Sparrezepten werden die anstehenden Herausforderungen im Medikamentenmarkt in keiner Weise antizipiert – im Gegenteil: Die Herausforderungen Versorgungssicherheit und Patientensicherheit werden sich verschärfen. Gleichzeitig präsentiert die Allianz Lösungsvorschläge und bietet an, gemeinsam mit dem BAG im Dialog Alternativen auszuarbeiten und umzusetzen.

Grundversorgung als Verlierer. Anpassung des Vertriebsanteils ohne betriebswirtschaftliche Grundlage ist für Apotheken und Hausärzte mit Patientenapotheken existenzbedrohend.

Bereits jetzt setzt die jährliche Medikamentenpreisanpassung sämtliche Akteure, die Medikamente abgeben oder vertreiben, stark unter Druck. Jedes Jahr verringert sich die Kostendeckung aus dem vom Bundesrat geregelten Vertriebsanteil. Trotz nachgewiesener grosser Effizienzsteigerungen durch jährliche Medikamentenpreissenkungen steigen jährlich Kosten für Personal, Mieten oder Infrastruktur in der Schweiz. Das bringt jede vierte Apotheke in wirtschaftliche Bedrängnis und verschärft – gemäss Fabian Vaucher, Präsident von pharmaSuisse – die Situation existenzbedrohter Apotheken zusätzlich. Werden die Massnahmen effektiv eingeleitet, sieht Vaucher schwarz: «Die Anpassungen im Preismodell werden nicht nur die Sortimentsvielfalt in den Apotheken drastisch reduzieren, sondern im schlimmsten Fall auch zu Schliessungen von Apotheken auf dem Lande und im Quartier führen – mit klaren Folgen für die Grundversorgung und die Patienten.» Gerade aber die wohnortsnahe Begleitung von Patienten durch Therapiebetreuung, Prävention und Beratung in den Apotheken fördert die Therapietreue (Compliance). Die Allianz ist überzeugt, dass die konsequente Umsetzung von Massnahmen zur Erhöhung der Therapietreue ein jährlich wiederkehrendes Einsparpotenzial von mindestens 100 Millionen Franken birgt. Dazu kommen weitere 100 Millionen, die durch eine bedürfnisorientierte Medikamentenabgabe erfolgen – jedes Jahr landen Medikamente ungenutzt im Abfall aufgrund verweigerter Einnahme oder falschen Packungsgrössen.

Preismodell des BAG gefährdet die Grundversorgung in der Schweiz

So ist René Jenny, Präsident von pharmalog.ch, überzeugt: «Vor allem in ländlichen Gebieten wird die Versorgungssicherheit akut gefährdet sein.» Das wird besonders bei innovativen und teuren Medikamenten deutlich: Aufgrund des nicht kostendeckenden Vertriebszuschlags könnten sich Apotheken und Ärzte hochpreisige und sehr günstige Medikamente im Sortiment nicht mehr leisten. Für Sven Bradke, Geschäftsführer von APA – Patientenapotheke ist daher klar: «Billig ist nicht immer gut – insbesondere, wenn es um die Patientensicherheit geht!».

Generika sind keine Kostentreiber

Mit der vorgeschlagenen Anpassung der Vertriebsmarge ist das Ziel, kostengünstige Generika zu fördern, sogar gefährdet: Fehlanreize wie die Generikastrafe bleiben bestehen und werden weiter verstärkt. Die Allianz ist überzeugt, dass sich mit einer konsequenten Generika-Durchdringung 150 Millionen Franken einsparen lassen. Paradoxerweise schwächt der Bundesrat mit dem Referenzpreissystem nun ausgerechnet die günstigen Alternativen. Axel Müller, Geschäftsführer von Intergenerika, warnt daher: «Ein weiterer Preisdruck könnte Hersteller aus dem Markt treiben und Versorgungsengpässe werden ein alltägliches Phänomen sein.» Anstelle einer Preisfestsetzung brauche es eine Erhöhung der Generikadurchdringung, die Wettbewerb und Auswahl zulasse, fordert Müller.

Allianz zeigt konstruktive und realistische Kostendämpfungsmassnahmen auf

Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse, APA, pharmalog.ch und Intergenerika sowie GSASA, VGUA, IFAK und die IG Schweizer Pharma KMU bekräftigen ihr erklärtes Ziel, die Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung qualitativ zu sichern. Um das zu gewährleisten sind sie bereit, mit ihrer Expertise proaktiv nachhaltige Kostendämpfungsmassnahmen beizusteuern und in die Weiterentwicklung des Schweizer Gesundheitssystems zu investieren. Gemeinsam mit dem BAG sollen die konsequente Erreichung der Therapietreue, die Verhinderung von Medikamentenabfällen, ein effektives Preisbildungs-/ festsetzungs-Modell sowie alternative und wirkungsvolle Anreize zur Förderung der Generika-Abgabe ausgearbeitet und umgesetzt werden. Mit diesen Massnahmen wollen die Akteure der Allianz den effektiven Sparbeitrag von 500 Millionen Franken leisten.

Medienmitteilung: Medienkonferenz Bundesrat gefährdet die gut funktionierende Grundversorgung Präsentation Medienkonferenz: Nachhaltige Versorgung und Patientensicherheit

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